BURMA * Heute

 

Burma heute

Einst war Burma das reichste Land Südostasiens und Reiskammer der Region. Das Militär hat das Land zu einem der ärmsten der Erde heruntergewirtschaftet.


Man schätzt, dass 50 % des Budgets dem Militär zufliessen. 70.000 der 400.000 Soldaten sind Kinder. Gesundheits- und Schulwesen erhalten gemeinsam kaum 2 % des Staatsetats. In den Grenzregionen sind sie so gut wie nicht existent.
Die WHO reiht Burma unter 191 Ländern an 190. Stelle. Das Monatsgehalt eines Lehrers (4 Euro) reicht, den Eigenbedarf für eine Woche zu decken.


Das Land ist seit 1962 fast völlig isoliert. Auf zwei staatlichen Militärsendern wird hauptsächlich Propaganda gezeigt. Internet ist nur den Militärs wirklich zugänglich, auf den Besitz eines Faxgeräts steht Gefängnis. Pressefreiheit ist nicht existent.

 

1988

resultierte die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung in landesweiten Unruhen. Am 8. August nehmen Zehntausende an den von Studenten initiierten Demonstrationen teil und fordern ihr Recht auf Menschenrechte und Demokratie. Das Militär schiesst wahllos in die Menge – landesweit sterben 10.000 Menschen bei der darauffolgenden Säuberung.

Die Studenten flüchten in die bergigen Grenzregionen, wo sie ihre eigene Organisation – die ABSDF (All Burma Students Democratic Front) – gründen und bis heute am bewaffneten Widerstand teilnehmen. Eine verlorene Generation. Normalen Schulbetrieb auf den Unis gibt es immer noch nicht.

Im gleichen Jahr gründet Aung San Suu Kyi die NLD (National League for Democracy). Kaum ein Jahr später steht sie zum ersten Mal unter Hausarrest. 1991 wird sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sie steht heute noch unter Hausarrest.

 


Bei den Wahlen 1990

gewinnt die NLD 392 der 485 Sitze im Parlament. Das Wahlergebnis wird von den Generälen nicht anerkannt – es folgt eine Verhaftungswelle. Viele der gewählten Vertreter flüchten über die Grenze nach Thailand.


NCGUB
National Coalition Government of the Union of Burma

wurde daraufhin vom bereits im Exil lebenden Premier am 18. Dezember 1990 in Manerplaw (Karen-State) gegründet. Ziel dieser legitim gewählten Regierung ist die Wiederherstellung von Demokratie in Burma.

Die Lady

Aung San Suu Kyi, Tochter des 1947 ermordeten Aung San kehrt 1988 nach Rangun zurück um ihre kranke Mutter zu pflegen. Als die Regierung Neuwahlen ausruft, gründet sie die NLD und beginnt durch das Land zu touren.

Die charismatische Buddhistin, welche bereits lange mit ihrer Familie in England lebt, erobert die Herzen ihres Volkes im Sturm. Es ist eine Zeit der Hoffnung, der Mobilisierung und der grossen Pläne.

Bereits ein Jahr später steht sie das erste Mal unter Hausarrest.

1991 wird ihr der Friedensnobelpreis verliehen – der Hausarrest bleibt aufrecht. Auf Druck der internationalen Gemeinschaft wird sie gelegentlich kurzfristig frei gelassen.

2003 entgeht sie einem Mordanschlag. Heute ist sie isolierter denn je: nur der Arzt darf sie aufsuchen. „Alles zu ihrer Sicherheit“, versichern die Militärs.

Sie ist die unumstrittene Ikone der burmesischen Demokratiebewegung.


Dr. Sein Win

Als Cousin von Daw Aung San Suu Kyi begann er sich im Zuge der landesweiten Demokratiebewegung 1988 politisch zu engagieren, wurde bei den Wahlen in Burma im Mai 1990 als Ministerpräsident gewählt und musste daraufhin das Land verlassen.


Dr. Thaung Htun
Medizinstudium, Chirurg in Burma bis 1988
1996 etabliert er das Burma-UN-Service-Büro in New York, zuständig für Weitergabe politischer sowie menschenrechtlicher Nachrichten aus Burma.

 

BURMA * Heute